Schützengedichte und mehr...

Dein Königsschuß

(Eberhard Poguntke ©, Nordborchen 2002)
Dein Königsschuß, man glaubt es kaum,
ist eines Schützen größter Traum.
Hast Du den Königsschuß vollbracht,
freuen sich die Schützen in ihrer Tracht.

Den Umzug durch´s Dorf wirst Du nicht bereuen,
weil sich die Menschen mit Dir freuen.
Voll Stolz blickst Du später dann zurück,
der Königsschuß war Dein Meisterstück.

Denn eines sei Dir gewiss! :
Ob Jung,..ob Alt,..ob Groß,..ob Klein,
Jeder träumt einmal davon, Schützenkönig in Nordborchen zu sein!


Ein Vers (Verfasser unbekannt) Der Heimat die Liebe, die Treue dem Brauch, so dachten die Väter, so denken wir auch.

Das Schützenbrüderchen

(Eberhard Poguntke ©, Nordborchen 1994)
Ich bin rein, mein Herz ist klein,
gern möchte ich ein Schütze sein.
Schütze, wie mein Großpapa!
Frisch und fröhlich steh' ich da.

Wenn ich groß bin - wär's gelacht,
kauf ich mir 'ne Schützentracht.
Stolz will ich den Frack dann tragen
und das Eichenlaub am Kragen.

Ein Gewehr, mit dem die Luft
Kugeln in die Ferne pufft,
und mit dem man treffen kann,
so ein Ding schaff' ich mir an.

Werd' ich einmal "König" sein,
lad' ich Euch zum Freibier ein,
rufe laut mit voller Kraft:
"Hoch lebe die Schützenbruderschaft!"


Das Schützenfest

(Helmut Teichler, Nordborchen 1965)
Es hing an hoher Stange
ein Vogel hoch und hehr,
jetzt ist er abgeschossen,
die Stange, die ist leer.

Und der ist Schützenkönig,
der sich den Vogel schoss
und die ihn fallen sahen,
sie sind des Königs Tross.

Ob hoch sie oder niedrig,
ob einer arm, ob reich,
beim Schützenfest in Borchen,
da sind wir alle gleich.

Wir lieben unsern König
und auch die Königin.
Sie geben alle beide
dem Schützenfest den Sinn.

So wie es bei den Vätern
in langen Jahren Brauch,
so halten in Nordborchen
die Jungen dieses auch.

Mit fliegenden Standarten
im gleichen Schritt und Tritt
marschier'n die Kompanien
und alle Mädchen mit.

Sie woll'n den König ehren
und ehren sich dabei.
Der Strauß an den Gewehren
erzählt von Lieb und Treu.

Und wenn nach der Parade
das Freibier wieder läuft
dann war es jammerschade
für den, der dann nicht säuft

Oh Schützenfest in Borchen,
du machst uns viele Freud,
so schön wie hierzulande
find's keiner weit und breit.

Sind wir erst älter worden
schau 'n träumend wir zurück,
dort an der Vogelstange
hing unsrer Jugend Glück.


Schützengedicht

(Verfasser unbekannt)
Wer vorn mit freundlichem Gesicht,
doch hinterm Rücken schlechtes spricht;
Wer nur den eignen Nutzen kennt,
und Dir nicht Deinen Posten gönnt;
Nach oben krummen Buckel macht;
Nach unten tritt und höhnisch lacht,
das ist ein schlechtes Luder,
bestimmt kein Schützenbruder.

Wer handelt aber - wie ein Freund,
der mit Dir lacht und mit Dir weint;
Der gradheraus die Meinung sagt,
weil ihm Dein Fehler nicht behagt;
Der trotzdem für Dich geradesteht;
Der niemals Treuebruch begeht;
Der nicht allein beim Schützenfest,
auch sonst als Mensch Dich gelten lässt:
Der hilft in Nöten, mit Rat und Tat,
das ist ein Schützenkamerad!


Das Ehrenamt

(Wilhelm Busch)
Willst du froh und glücklich leben,
lass kein Ehrenamt dir geben!
Willst du nicht zu früh ins Grab,
lehne jedes Amt gleich ab.

So ein Amt bringt niemals Ehre,
denn der Klatschsucht scharfe Schere
schneidet boshaft dir, schnipp schnapp,
deine Ehre vielfach ab.

Wie viel Mühe, Sorgen, Plagen,
wie viel Ärger musst du tragen,
gibst viel Geld aus, opferst Zeit -
und der Lohn? Undankbarkeit.

Drum, so rat’ ich dir im Treuen:
Willst du Weib und Kind erfreuen,
soll dein Kopf dir nicht mehr brummen,
lass das Amt doch and’ren Dummen!


Der Fahnenträger

(Christoph Rilke)
Die Andern fühlen alles an sich rau
und ohne Anteil: Eisen, Zeug und Leder,
Zwar manchmal schmeichelt eine weiche Feder,
doch sehr allein und lieblos ist ein jeder;
er aber trägt - als trüg er eine Frau -
die Fahne in dem feierlichen Kleide.

Dicht hinter ihm geht ihre schwere Seide,
die manchmal über seine Hände fließt.

Er kann allein, wenn er die Augen schließt,
ein Lächeln sehn: er darf sie nicht verlassen.

Und wenn es kommt in blitzenden Kürassen
und nach ihr greift und ringt und will sie fassen -
dann darf er sie abreißen von dem Stocke als riß er sie aus ihrem Mädchtentum,
um sie zu halten unterm Waffenrocke.
Und für die Andern ist das Mut und Ruhm.


Der Schützenkönig

(Uwe Natus, Salzkotten)
Sie treffen sich voll Hochgenuss
am Schützenplatz zum Vogelschuss,
wie alle Jahre wieder.
Sie haben einen ausgeguckt,
den es in den Fingern juckt,
der schießt den Vogel nieder.

Sie tragen ihn als König fort,
galant ergreift er dann das Wort,
am Himmel zieht kein Wölkchen.
Er nimmt sich eine Königin,
es fließt der Sekt, das Bier mit Sinn,
zur Musik tanzt das Völkchen.

Der Hofstaat wird gut ausgewählt,
die Damen fein heraus geschält
im schönsten bunten Kleide.
Die Orden glänzen an der Brust
der Herren, es ist eine Lust
und eine Augenweide.

Am Sonntag kommt der Fotograf.
Im Halbkreis stellen sie sich brav
Zum Bild für die Geschichte.
Das Schützenvolk tanzt Tag und Nacht,
vergisst die Sorgen, klönt und lacht
im Dunst von Rauch und Lichte.

Die Zeitung bringt es groß heraus,
die Fahne weht vorm Königshaus,
die Kinder fahren Karussell.
Am Montag kommt die Prominenz,
erweist dem Throne Referenz,
trinkt Dunkles, Wein und Hell.

Bald ist die Zeit des Königs aus,
als Bürger geht er nun nach Haus
wie alle kleinen Leute.
Als Schütze kommt er dann zurück,
wird wieder Mensch, so Stück für Stück,
die Zeit er nicht bereute.


Kritik des Herzens

(Wilhelm Busch)
Wirklich, er war unentbehrlich!
Überall, wo was geschah
Zu dem Wohle der Gemeinde,
Er war tätig, er war da.

Schützenfest, Kasinobälle,
Pferderennen, Preisgericht,
Liedertafel, Spritzenprobe,
Ohne ihn da ging es nicht.

Ohne ihn war nichts zu machen,
Keine Stunde hatt' er frei.
Gestern, als sie ihn begruben,
War er - richtig - auch dabei.


Der Vorstand

(Eugen Roth)
Ein Mensch, der sich zu gut erschienen,
als Vorstand dem Verein zu dienen,
Und der, bequem, sich ferngehalten,
die Kasse etwas zu verwalten,
Der viel zu faul war, Schrift zu führen,
- kriegt einst der Reue Gift zu spüren.
Sein sechzigster Geburtstag naht -
wo schreitet wer - zur Glückwunschtat?
Tut dies am Ende der Verein? -
Nur für ein unnütz Mitglied? - Nein!
Kein Ständchen stramm, kein Festprogramm,
auch kein Ministertelegramm,
Kein Dankesgruß der Bundesleitung,
und keine Zeile in der Zeitung.
Wird etwa gar dann sein Begräbnis,
ihm selbst und anderen zum Erlebnis?
Sieht man dortselbst Zylinder glänzen?
Schwankt schwer ein Sarg hin unter Kränzen?
Spricht irgendwer am offnen Grabe,
was man mit ihm verloren habe?
Entblößt sich dankbar eine Stirn?
Lässt eine Hand im schwarzen Zwirn
auf seinen Sarg die Schollen kollern -
bei Fahnensenken, Böllerbollern?
An seinem Grab stehn nur der Pfarrer
und die bezahlten Leichenscharrer.
Der Mensch, der dies beschämend fand,
ward augenblicks Vereinsvorstand!


Einige Zitate, Sprichworte, Weissheiten....

Der standhafte Vogel fällt heute nicht durch einen Treffer.
Er 'verendet' an Bleivergiftung.
(Engelbert Harrenkamp)

Wer einmal trifft, ist noch kein Schütze.
(Heinrich Heine)

Wer viel schießt, ist noch kein Schütze,
und wer viel spricht, noch längst kein Redner.
(unbekannt)

Hier gilt es, Schütze, deine Kunst zu zeigen:
Das Ziel ist würdig, und der Preis ist groß.
(F. Schiller, Wilhelm Tell)

Ein rechter Schütze hilft sich selbst
(F. Schiller, Wilhelm Tell)

Ein Schütze darf nicht gelegentlich treffen,
sondern gelegentlich das Ziel verfehlen.
(Lucius Annaeus Seneca)

Wer einmal trifft, wird immer schießen.
(Engl. Sprichwort)

Da bricht uns doch kein Zacken ausse Hellebarde.
(Norbert Kaiser)

Kein Grund für Fracksausen.
"Tradition ist nicht das Halten der Asche,
sondern das Weitergeben der Flamme."
(Thomas Morus)

Concordia parvae res crescunt, discordia maximae dilabuntur.
Übers.: Durch Eintracht wachsen kleine Dinge, durch Zwietracht zerfallen die größten.
(Gaius Sallustius Crispus)



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